Am Bodensee gilt: Mehr Wald, weniger Verwaltung
Mit TimberData läuft die Vermarktung von Rundholz, Nebensortimenten und Brennholz über eine Plattform.
Der hohe Verwaltungsaufwand im eigenen Forstbetrieb war für Ludwig Douglas der Anstoß, ein neues System zu entwickeln.

Im Wald gab es viel zu tun, als Ludwig Douglas die Verantwortung des familieneigenen Forstbetriebs übernahm. „Die Jungbestandspflege stockte, dringende Durchforstungen wurden nicht durchgeführt und in überalterten, abgängigen Beständen wurde die Verjüngung nicht rechtzeitig eingeleitet.” Aber anstatt die Aufgaben im Wald anzugehen, hingen die Förster viel am Telefon oder steckten tief in administrativen Tätigkeiten fest. „Nehmen wir mal den Brennholzverkauf,” erzählt Ludwig Douglas, “wir haben damals an etwa 100 Kunden Brennholz verkauft. Die Kunden riefen bei meinen Förstern an, um Holz vorzubestellen. Die Mitarbeiter im Forstamt waren in den Prozess mit eingebunden. Es wurden etliche Listen geführt, die immer wieder angepasster wurden. Zum Schluss fuhr der Förster zum Polter, um das Holz vor Ort vorzuzeigen.“ „Für den Festmeter Brennholz bekamen wir zu der Zeit €60. Mit jedem weiteren Telefonat und den Fahrten zum Polter sah ich meine Marge immer weiter schmelzen.” Da musste man was tun. „Der Brennholzverkauf war nur eine Baustelle. Viele Prozesse waren zeitaufwendig und unnötig kompliziert.” Aber der Brennholzverkauf war ein guter Startpunkt, um die Prozesse im Forst digital und wirtschaftlicher zu gestalten. Und so wurde 2017 die Idee zum Brennholz-Marktplatz TimberTom geboren.
Mit dem Brennholz-Marktplatz TimberTom, liefen Bestellungen, Rechnungen und Zahlungskontrollen online und automatisch. „Bei uns im Forstbetrieb funktionierte das auf Anhieb gut. Wir konnten mit weniger Aufwand mehr Holz als Brennholz verkaufen. Ein großer Teil davon wäre früher als Industrieholz verkauft worden - zu niedrigeren Preisen.” Leider folgte die Ernüchterung, als es darum ging, andere Forstbetriebe von TimberTom zu begeistern. „Wir brauchten Schnittstellen mit den Warenwirtschaftsystemen, damit der Verkauf von Brennholz auch an das System zurückgemeldet werden konnte. Aber die Anbieter zeigten wenig Interesse daran, moderne Schnittstellen zu entwickeln.”
„Ich war sowieso unzufrieden mit der Leistung der vorhandenen Systeme. Und da dachte ich mir, dann bauen wir es eben selbst.” Zusammen mit seinem Co-Geschäftsführer Julius Martini und einem kleinen Team startete 2020 die Entwicklung des ersten cloudbasierten Warenwirtschaftsystems der Forstindustrie. „Wir hatten eine klare und ambitionierte Vision: Das neue System sollte die Prozesse im Betrieb einfacher und effizienter gestalten. Und es sollte in Echtzeit Kennzahlen zur Verfügung stellen, mit denen ich meinen Forstbetrieb steuern kann.” So entstand schließlich TimberData.
Im Mai 2023 startete die erste Testphase – direkt im Arbeitsalltag des eigenen Forstbetriebs. „Das führte zum ein oder anderen Frust-Moment bei den Mitarbeitern der Douglas Forstverwaltung, denn die ‘Kinderkrankheiten’ des neuen Systems waren noch nicht alle ausgestanden.” „Da mussten wir aber durch. Man kann lange theoretisch planen, um alles perfekt zu bauen. Am Ende stellt man dann fest, dass man am Bedarf vorbei entwickelt hat. Uns war das direkte Feedback aus der Praxis wichtig.“ Ende 2023 war das System dann marktreif. Heute zählt TimberData zu den führenden und innovativsten Warenwirtschaftsystemen der Branche.
Mittlerweile besteht das Team, mit Hauptsitz im Hegau am Bodensee, aus über zwanzig Mitarbeitern, darunter zehn Entwickler. „Wir sind noch lange nicht fertig. Wir arbeiten weiter mit Hochdruck an neuen Lösungen. Wöchentlich aktualisieren wir unser System mit neuen Funktionen. Wir wollen die verschiedenen Akteure der Forstbranche miteinander vernetzen, um weitere Potentiale zu heben.” Langweilig wird es im Wald nicht - künftig wird es wohl noch mehr Anstrengung erfordern, unsere Wälder gesund zu halten. “Aber nur wenn man Geld verdient, kann man die notwendigen Investitionen in unsere vom Klimawandel geschwächten Wälder leisten.”
